22.10.2015: LEBENSRETTER - Neue Smartphone-App soll Leben retten

WIEN - Mithilfe einer Smartphone-Applikation soll die Zeit zwischen Notruf und dem Beginn qualifizierter Erster Hilfe bei Herzstillstand wesentlich verkürzt werden. In Wien benötigt die Rettung vom Notruf bis zum Eintreffen beim Patienten durchschnittlich knapp 10 Minuten. Im internationalen Vergleich ist das ein Spitzenwert. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie etwa einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann aber selbst diese sehr kurze Zeitspanne für den Betroffenen zu lang sein. Mit einer neuen Smartphone-App, die ab heute unter dem Namen „Die LEBENSRETTER verfügbar ist, sollen die Überlebenschancen der Betroffenen wesentlich erhöht werden. Denn sie informiert ausgebildete Ersthelfer über einen Notfall in ihrer Nähe und führt sie direkt zum Betroffenen. Auf diese Weise kann wichtige Zeit gewonnen werden – Zeit, die dem Patienten unter Umständen das Leben rettet.

 

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Jede Sekunde zählt


„Bei einem plötzlichen Herzstillstand zählt sprichwörtlich jede Sekunde“, erklärt Dr. Alexander Nürnberger, Malteser, Unfallmediziner am Wiener AKH und Mitentwickler des Projekts. „Denn die Faustregel lautet: Mit jeder Minute, die ohne effiziente Erste Hilfe verstreicht, sinkt die Überlebenschance des Betroffenen um bis zu zehn Prozent. Es geht also um eine möglichst kurze Reaktionszeit – und die können wir mit der LEBENSRETTER-App erreichen.“

Möglich macht das eine enge technische Abstimmung zwischen der Leitstelle der Berufsrettung Wien und der Smartphone-Applikation. Notrufe, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand vermuten lassen, werden innerhalb weniger Sekunden automatisch an jene Smartphones mit installierter App gesendet, die sich zum Zeitpunkt des Notrufes in einem Umkreis von ungefähr 400 Metern zum Einsatzort befinden.

Die App leitet sie via Smartphone-Navigation entweder direkt zum Einsatzort oder zuvor zum nächsten öffentlich zugänglichen Defibrillator (AED). Dabei verständigt das System bis zu vier Smartphones pro Notfall. So können zwei „LEBENSRETTER“ direkt zum Patienten und zwei weitere zum nächsten AED und dann weiter zum Einsatzort geführt werden.

 

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Breite Unterstützung


„Mit der LEBENSRETTER-App kommen wir unserem Ziel, Wien zu einer ‚herzsicheren’ Stadt zu machen, wieder einen bedeutenden Schritt näher“, ist Landtagspräsident Prof. Harry Kopietz überzeugt. Er setzt sich seit Jahren für eine Minimierung der Todesfälle durch plötzlichen Herzstillstand in Wien ein – nicht zuletzt mit Unterstützung von „PULS – Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes“, dessen Präsident er auch ist.

Auch die Wiener Rettung (MA 70) sowie die Landesverbände von Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hospitaldienst stehen tatkräftig hinter dem Projekt.

 

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Bis zu 1.000 Einsätze erwartet

 
Initiiert und finanziert wurde das Projekt von einer gemeinnützigen Privatstiftung Stiftungsvorstand Dr. Jörg Jakobljevich, ebenfalls Mitglied der Malteser: „In Wien rechnen wir bei Mitwirkung eines Großteils der Wiener Sanitäter langfristig mit bis zu 1.000 LEBENSRETTER-Einsätzen pro Jahr. Aber selbst wenn wir mit der App nur ein einziges Menschenleben retten, hat sich der Aufwand schon gelohnt.“

Während des Probebetriebs mit zuletzt 150 Testpersonen wurden im Oktober bereits drei reale Einsätze erfolgreich durchgeführt. Insgesamt hoffen die Initiatoren in Wien auf über 2.000 Sanitäter, die sich die App herunterladen und nutzen werden. „Derzeit läuft die LEBENSRETTER-App nur in Wien. Sobald wir erste Erfahrungswerte gesammelt haben, wollen wir unser System aber auch auf andere Bundesländer ausweiten“, so Jakobljevich.

Präsentiert und breit ausgerollt werden soll die LEBENSRETTER-App im Rahmen des Wiener Sicherheitsfestes am 25. und 26. Oktober. Die Anwendung ist derzeit für Android-Smartphones  und iPhones erhältlich. Die mit der Entwicklung und technischen Umsetzung der Software beauftragte Bolldorf OG arbeitet bereits an einer Microsoft-Version der App.

 

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